Bodenschutzpreis vergeben: In Rheine, Willich und Duisburg gelingt vorbildliches Recycling von Brachflächen

Alle Projektvertreterinnen und -vertreter
Alle Projektvertreterinnen und -vertreter freuten sich mit Umweltstaatssekretär Viktor Haase und der AAV-Verbandsvorsitzenden Simone Raskob (beide in der Bildmitte vorne) über Urkunden und Preise

Normalerweise freuen sich Veranstalter über einen vollen Saal, reibungslose Abläufe und zufriedene Teilnehmer. Simone Raskob, AAV-Verbandsvorsitzende und Umweltdezernentin der Stadt Essen, freut sich über Regen. Mit gutem Grund. Die Grundwasserspiegel in Deutschland sind viel zu niedrig, die Böden ausgetrocknet. „Der Klimawandel zeigt uns, dass es heute wichtiger ist denn je, die vielfältigen Funktionen von Boden zu erkennen und zu schützen“, betonte Raskob bei der Verleihung des Bodenschutzpreises am 14.9. im Haus der Technik in Essen.

Das gilt auch für die zahlreichen Altstandorte und Brachflächen in NRW. Wie gelingt eine Wiederbelebung solcher Flächen und eine nachhaltige Neu-Nutzung? In Rheine, Willich und Duisburg wurden Brachflächen in den vergangenen Jahren vorbildlich revitalisiert. Die drei Bewerber erhielten daher vom NRW-Umweltministerium und dem AAV im Rahmen der Initiative „Allianz für die Fläche“ den Bodenschutzpreis 2021 (der wegen der Pandemie erst in diesem Jahr verliehen werden konnte). Rheine und Willich teilen sich den Hauptpreis (je 4000 €), Duisburg erhielt einen Sonderpreis (2000 €).

Der Bodenschutzpreis wurde in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben. Die Auszeichnung macht die große Bedeutung von Flächenrecycling deutlich. „Der Flächenverbrauch in Deutschland ist immer noch zu hoch, wir müssen weit sparsamer mit Boden umgehen“, konstatierte Viktor Haase, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, anlässlich der Auszeichnung. Der Preis zeigt vor allem, mit welchen überzeugenden Konzepten, neuen Ideen und auch einem guten Stück Beharrlichkeit aus industriellen Brachflächen wertvolle Nutzflächen für Gewerbe oder modernes Wohnen werden.

Schöner Wohnen und Abeiten

In Rheine entstanden in der Eschendorfer Aue, einem ehemaligen, 31 Hektar großen Kasernenstandort, 500 Wohneinheiten in einem modernen und grünen Umfeld. Der Jury unter  Vorsitz von Dr. Hans Richter, stellvertretender Vorsitzender des AAV, gefiel das „fachlich gut und zeitlich schnell umgesetzte Gesamtkonzept aus Natur- und Bodenschutz“. Im Zentrum der Arbeiten stand ein strukturierter und sortenreiner Abbruch: Boden und Beton wurden aufbereitet und wiedergenutzt, auch andere Abbruchmaterialien wurden verwertet. Der alte Baumbestand blieb erhalten und ein fünf Hektar großer Grünzug mit Rad- und Fußwegen ermöglicht ein gesundes, attraktives Wohnen. „Im Projekt wurde zudem deutlich, wie wichtig beim Flächenrecycling eine kontinuierlich enge Kommunikation und Kooperation aller Beteiligten ist“, betont AAV-Projektmanagerin Dr. Andrea Holzapfel.

Etwa 170 Kilometer weiter südlich hat die Stadt Willich ebenfalls ein ehemaliges Militärgelände revitalisiert. Auf dem 36 Hektar großen Areal war bis 1992 die Britische Rheinarme stationiert, davor stand hier das Stahlwerk Becker. In Zusammenarbeit der Grundstücksgesellschaft Willich mit dem Kreis Viersen, HJPplaner und der GEOBIT Ingenieurgesellschaft wurde aus der Altlast ein ansprechend gestalteter Handwerker- und Gewerbepark für derzeit 150 Unternehmen und Handwerksbetriebe. Wasser-, Retentions- u. Vegetationsflächen mit einer 800 Meter langen Wasserachse und die Errichtung des Energiezentrum Willich mit erneuerbaren Energien erfüllen vorbildlich ökologische Kriterien.

„Die bodentechnische Aufbereitung dieses Altstandorts mit gleichzeitigem Erhalt von zwölf historischen Denkmälern war eine Herausforderung“, betonte Jury-Vorsitzender Richter. Eine Herausforderung war auch die notwendige Beharrlichkeit der Beteiligten: Die Konversion läuft seit bald 25 Jahren. Als Schlüssel zum Erfolg erwies sich in Willich ein Konzept, das die Flächenaufbereitung exakt am Bedarf ausrichtet. Auf diese Weise gelang die Entwicklung entsprechend der tatsächlichen Nachfrage nach Gewerbestandorten, ohne dass neue Flächen in Anspruch genommen werden mussten.

Brachflächenrecycling folgt keinem Standard. Das zeigt der diesjährige Sonderpreis, die Aufbereitung des Standorts Dellgrün in Duisburg. Der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft gelang in Zusammenarbeit mit dem GFP Ingenieurbüro für Geotechnik und Umweltplanung die Umsetzung einer innovativen und technisch cleveren Lösung zur Neunutzung einer ehemaligen Baustoff- und Kohlengroßhandlung. Die Altlast lang jahrelang brach, Investoren sprangen wegen drohender hoher Sanierungskosten ab. Die Lösung: Durch das flächige Anheben des Geländeniveaus mit Wiedereinbau des Aushubs entstand ein neues Wohnquartier aus knapp 50 Reihen-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern mit bezahlbarem Wohnraum und großer öffentlicher Grünfläche.

AAV soll für künftige Aufgaben „gut ausgestattet“ werden

Flächenrecycling wird künftig an Bedeutung gewinnen. Die Landesregierung in NRW will  das Ziel, den täglichen Flächenverbrauch auf fünf Hektar zu reduzieren, in den Landesentwicklungsplan aufnehmen. Der Klimawandel mache deutlich, so Staatssekretär Haase, wie wichtig Boden nicht nur für Arbeiten und Wohnen ist, sondern insbesondere auch als Grundlage für innerstädtische Kühlflächen, als Wasserspeicher und natürliche CO2-Senke. „Der AAV ist für das Brachflächenrecycling und die Altlastensanierung ein sehr wichtiger Partner“, konstatierte Haase. „Daher sind wir gut beraten, den Verband so auszustatten, damit er seine künftigen Aufgaben erfüllen kann.“

Christa Friedl

Siehe auch die Pressemitteilung

Zu den Fotos unten - (c) alle AAV:

  1. Bodenschutzpreis "Eschendorfer Aue" in Rheine
    V.l.n.r.: Mark Dieckmann (Stadt Rheine), Staatssekretär Viktor Haase, Milena Schauer (Stadt Rheine), Olaf Grönefeld (Kreis Steinfurt)
  2. Bodenschutzpreis "Stahlwerk Becker" in Willich
    V.l.n.r.: Andreas Herda (Kreis Viersen), Christian Hehnen (Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich mbH), Rainer Röder (Kreis Viersen), Staatssekretär Viktor Haase, Willy Kerbusch (Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich mbH), Thomas Nordmann (Kreis Viersen)
  3. Sonderpreis "Wohngebiet Dellgrün" in Duisburg
    V.l.n.r.: Dr. Peter Gehlen (GFP Ingenieurbüro für Geotechnik und Umweltplanung GmbH), Simone Raskob (AAV-Verbandsvorsitzende), Cornelia Hobbacher, Alex Schulz (beide Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH)

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