Aus- und Rückblicke

Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel

Empathie für die Betroffenen

Sie hatte von dem neu gegründeten Verband gehört, bewarb sich blind und wurde im Frühjahr 1990 Mitarbeiterin Nummer sechs und Projektleiterin für Altlastensanierungen Nummer eins. Bevor Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel jedoch ihr erstes Projekt leiten konnte, hatte sie eine Menge anderer Dinge zu erledigen: „Zuerst mussten wir Kriterien dafür festsetzen, welche Projekte der AAV überhaupt bearbeiten kann und soll. Das AAV-Gesetz hatte dafür ja nur einen Rahmen vorgegeben. Dann mussten wir uns und unsere Aufgaben in den Kommunen bekannt machen. Also haben wir im Sommer 1990 alle Kreise, Städte und Gemeinden angeschrieben. Die Resonanz darauf war sehr groß. Es gab so viele Anmeldungen und Anfragen, dass ich deren Bearbeitung unmöglich allein bewältigen konnte. Es gab auch damals schon einen Juristen beim AAV, der mich unterstützte. Und bereits im Herbst 1990 wurden weitere Mitarbeiter eingestellt.“

Die anfängliche Begeisterung der Kommunen für den AAV und für seine Aufgaben hielt an. „Dass wir als Maßnahmenträger einen Großteil der Kosten tragen, war dabei gar nicht entscheidend, denn auch zuvor schon hatten die Städte und Gemeinden für die Gefahrenabwehr finanzielle Unterstützung erhalten – in aller Regel durch die Bezirksregierungen. Durch den AAV jedoch werden die jeweiligen Verwaltungen insbesondere dadurch zusätzlich unterstützt und entlastet, dass wir das gesamte Projektmanagement übernehmen.“

Besonders reizvoll an ihrer Arbeit für den AAV findet die Geologin den Umgang mit den Menschen, mit den Betroffenen vor Ort: „In aller Regel ist es zwar recht einfach, Anwohner von der Notwendigkeit unserer Projekte zu überzeugen. Wenn es dann allerdings an die konkrete Umsetzung geht, kann die Belastung für die Nachbarschaft sehr groß sein. Da braucht es dann viel Verständnis, Einfühlungsvermögen und Empathie mit den Betroffenen, um das Projekt ohne Konflikte und Spannungen erfolgreich abwickeln zu können. In Gladbeck zum Beispiel haben wir das Gelände einer ehemaligen chemischen Reinigung saniert. Da die Fläche inzwischen neu bebaut und die Platzverhältnisse äußerst beengt waren, ging das nur mit einem Großloch-Bohrgerät. Das ist wirklich sehr, sehr laut und nahm jeweils morgens um 7 Uhr direkt vor einer Wohnanlage mit 36 Eigentumswohnungen die Arbeit auf. Um die Situation erträglicher zu machen, haben wir in einer nahe gelegenen Caritas-Einrichtung einen ruhigen Raum mit Kaffee und Kuchen zur Verfügung gestellt, in den die Anwohner vor dem Lärm fliehen konnten. Das wurde sehr gut angenommen. Ganz wichtig ist bei derartigen Projekten auch immer eine umfassende und vorausschauende Öffentlichkeitsarbeit: Fragen müssen sozusagen beantwortet sein, ehe sie gestellt werden.“

Die Geologin Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel fing 1990 beim AAV an. Sie ist die dienstälteste Projektleiterin für Flächenrecycling und Altlastensanierung.