Aus- und Rückblicke

Dr. Roland Arnz

Neue Chancen auf alten Brachflächen

Flächenrecycling und Altlastensanierung sind in die Zukunft gerichtete Aufgaben, die für die Entwicklung der Städte, für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und im Rahmen des kooperativen Umweltschutzes in Nordrhein-Westfalen eine immer wichtigere Rolle spielen. Dr. Roland Arnz, Geschäftsführer des Verbands für Flächenrecycling und Altlastensanierung, erwartet deshalb, dass sich die Inanspruchnahme des AAV zukünftig weiter erhöhen wird. Wie der Verband im Zusammenwirken von Land, Kommunen und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen für diese Herausforderung gewappnet ist und welches die Ziele für die kommenden Jahre sind, skizziert er in diesem Interview.

Die Novellierung des AAV-Gesetzes im Jahr 2012 legte den Schwerpunkt der Verbandsaufgaben auf das Flächenrecycling. Wie war der AAV darauf eingestellt?

Wir waren sehr gut vorbereitet auf diese Weichenstellung in Richtung Flächenrecycling. Zwar stand bei der Gründung des AAV vor 30 Jahren die Sanierung von Altlasten im Mittelpunkt. Doch bereits seit 1995 darf der Verband auch nutzungsbezogene Sanierungen durchführen und Flächen für eine neue Nutzung aufbereiten. Wir hatten also zum Zeitpunkt der Gesetzesänderung bereits Erfahrung und eine hohe Kompetenz in diesem Bereich.

Welche Rolle spielt denn das Flächenrecycling bei der aktuellen Verbandsarbeit, wie wichtig war diese neue Weichenstellung?

Sehr wichtig. Das zeigt vor allem das hohe und immer weiter steigende Interesse der Kommunen. Bei deren Projekt-Anmeldungen steht seit einigen Jahren das Flächenrecycling ganz klar im Vordergrund, so dass inzwischen mehr als die Hälfte aller aktiven AAV-Projekte das Ziel haben, eine vormals genutzte Fläche für eine neue Nutzung zu ertüchtigen.

Wie unterscheidet sich eigentlich das Flächenrecycling von Altlastensanierungen? Ergeben sich aus dem neuen Aufgabenschwerpunkt auch neue und eventuell weitergehende Anforderungen?

Ja, die Flächenrecyclingprojekte stellen andere und sie stellen auch zusätzliche Anforderungen an uns, da der AAV die gesamte Abwicklung der Projekte durchführt. Diese sind zudem fachlich und aufgrund unterschiedlicher Interessen der beteiligten Partner komplexer. Einerseits sind die Erwartungen der Kommunen an eine zeitnahe Durchführung gestiegen, während andererseits die rechtssichere Vorbereitung, die Prüfung und die Durchführung der Vergaben immer umfangreicher geworden ist. Darüber hinaus spielt auch die ausreichende Finanzierung eine wesentliche Rolle, da wir bei Flächenrecycling-Projekten zusätzlich zur Boden- und Grundwassersanierung zumeist auch alte Industriegebäude zurückbauen und fachgerecht entsorgen, Flächen entsiegeln und Fundamente im Untergrund entfernen.

Bei der Vorbereitung und Durchführung seiner Projekte ist der AAV überall in NRW ein geschätzter und willkommener Partner. Was macht den Erfolg des Verbands aus, wie würden Sie Ihre Herangehensweise an die Projekte beschreiben?

Ein wichtiger Punkt ist sicherlich die offene, sach- und ergebnisorientierte Kommunikation – sowohl mit unseren Projektpartnern als auch gegenüber der Öffentlichkeit. Deren Akzeptanz ist unverzichtbar bei der erfolgreichen Verwirklichung der Projekte. Zudem bringen wir unsere Erfahrung aus 30 Jahren, unsere fachliche und rechtliche Kompetenz lösungsorientiert und partnerschaftlich in den Prozess ein. Daraus resultiert die hohe Qualität unserer Arbeit, die uns übrigens bei einer Online-Befragung all unserer Mitglieder im Jahr 2017 bestätigt wurde.

Die Gesprächskultur ist Ihnen also besonders wichtig?

Ja. Die offene, sach- und ergebnisbezogene Gesprächskultur ist die Grundlage der erfolgreichen, in dieser Form deutschlandweit einzigartigen Kooperation von Land, Kommunen und Wirtschaft im AAV – auch in schwierigen Zeiten. Zudem ist sie unverzichtbar für den Austausch von Wissen, von dem alle profitieren. Experten aller AAV-Mitglieder bringen ihren Sach- und Fachverstand ein, nutzen das Know-how und das Netzwerk des Verbands und finden bei schwierigen Fragen praktikable Lösungen im Dialog. Deshalb sind der Vorstand, die Gremien und die Kommissionen des AAV wichtige Knotenpunkte des starken Netzwerks für den kooperativen Umweltschutz in NRW.

Egal ob Flächenrecycling oder Altlastensanierungen: Ausschließlich Kommunen können Projekte beim AAV beantragen. Kommt die Arbeit des Verbands also in erster Linie den Städten und Gemeinden zu Gute? Oder wem nützt der AAV am meisten?

Auf den ersten Blick scheinen in der Tat die Kommunen am stärksten vom AAV zu profitieren, denn schließlich gewinnen sie durch unsere Arbeit Flächen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zurück – zum Beispiel für die Schaffung von Wohnraum. Nicht zuletzt beim aktuell laufenden Sonderförderprogramm, mit dessen Durchführung das Land den AAV betraute, geht es um die Unterstützung der Kommunen bei der Schaffung dauerhaft genutzten Wohnraums und bei der Integration anerkannter Asylbewerber.

Zurückgewonnene Flächen spielen zudem eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung einer Kommune: Sie sind Voraussetzung für Neuansiedlungen aber auch für die Standortsicherung ansässiger Unternehmen, die auf recycelten Flächen bei Bedarf einen neuen Standort in der Region und Potenzial für eine Standorterweiterung finden.

Ganz unmittelbar profitiert die Wirtschaft zudem durch den Rückfluss der eingesetzten Mittel. Darüber hinaus haben unsere freiwilligen Mitglieder, die sich aktiv einbringen, einen großen Nutzen vom Netzwerk des AAV. Zum Beispiel durch den Zugriff auf unseren Wissenspool, durch Impulse für die Sanierungspraxis, durch unsere Beratung und Unterstützung sowie durch unsere Moderation bei besonders schwierigen fachlichen und rechtlichen Fragestellungen.

Nicht zuletzt profitiert die Natur – und zwar doppelt. Der AAV schützt aktiv die Ressource Fläche und ermöglicht es, aufbereitete Flächen der Natur zurückzugeben.

Das klingt ganz so, als sei der AAV auch während der kommenden 30 Jahre unverzichtbar. Wie sehen Sie die Zukunft des Verbands in Nordrhein-Westfalen?

Auf der einen Seite steigt die Anzahl der Altablagerungen und Altstandorte weiter an – mit erheblichen Defiziten in der Abarbeitung von Altlastenrisken auch im Rahmen von Maßnahmen des Flächenrecyclings. Auf der anderen Seite bedarf es der Bereitstellung von Bauland für bezahlbaren Wohnraum sowie für Handwerk, Gewerbe und Industrie gleichermaßen.

Deshalb sind Flächenrecycling und Altlastensanierung sich ergänzende und verstärkende, in die Zukunft gerichtete Aufgaben. Die Sanierung und Aufbereitung von belasteten Brachflächen bringt attraktive und bereits gut erschlossene innerstädtische Flächen zurück in den Wirtschaftskreislauf, ohne dass dafür naturnahe oder landwirtschaftliche Flächen verbraucht werden. Wie gut das für die Entwicklung der Städte ist, beweisen zahlreiche erfolgreich abgeschlossene Projekte. Und dass sich die Bewahrung von Naturflächen positiv auf die Umwelt und aufs Klima auswirkt, dass somit gesunde Wohn- und Arbeitsbedingungen entstehen und erhalten bleiben, liegt auf der Hand.

Ich gehe daher davon aus, dass sich die Inanspruchnahme des AAV zukünftig weiter erhöhen wird.

Dr. Roland Arnz
Geschäftsführer