Gastbeiträge

Handwerk.NRW

AAV und Handwerk: vom Bodenschutz zur Erschließung kleinteiliger Gewerbeflächen

Handwerk.NRW e.V. mit Sitz in Düsseldorf koordiniert die handwerkspolitische Arbeit seiner Mitglieder und vertritt die Gesamtinteressen des Handwerks in Nordrhein-Westfalen gegenüber Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Seine Mitglieder sind der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) – Vertreter der sieben Handwerkskammern in NRW – und der Unternehmerverband Handwerk NRW (UVH) – stellvertretend für 33 Landesinnungs- und Fachverbände – sowie eine Reihe weiterer handwerklicher oder handwerksnaher Gemeinschaftseinrichtungen.

Handwerk.NRW bildet damit die Interessen von rund 190.000 Unternehmen ab. Zusammen genommen ist das Handwerk mit über 1,1 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber in NRW und zugleich der größte Ausbilder: Über 81.000 junge Menschen beginnen ihr Berufsleben hier mit einer dualen Ausbildung. Das Handwerk umfasst 151 Gewerbe von A wie Augenoptiker bis Z wie Zahntechniker, darunter Dienstleister und produzierende Gewerbe. Insgesamt generiert das NRW-Handwerk einen Umsatz von 122 Mrd. Euro.

Als Wirtschaftszweig mit besonders langer Tradition versteht sich das Handwerk bis heute als Stätte der Nachhaltigkeit und vereint ökonomischen Fortschritt mit der verantwortungsvollen Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen. Seit jeher sind Handwerksbetriebe tief in ihrem sozialen und natürlichen Umfeld verwurzelt und bei mehrheitlich kleinen Betriebsgrößen durch ein enges Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern geprägt. Handwerksunternehmen beraten, entwickeln, produzieren, verkaufen, montieren, installieren, prüfen, warten, reparieren und entsorgen. Mit vielen dieser Leistungen – bis in die Gebäudeautomation oder den Maschinen- und Apparatebau – ist das Handwerk zugleich Teil der Umweltwirtschaft.

Als „Offizieller Ausrüster der Energiewende“ leisten Handwerker wichtige Beiträge zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz. Das Handwerk bringt sich ein in die Entwicklung und Ausgestaltung neuer Mobilitätskonzepte, die zugleich den Klimaschutz verbessern und der Luftbelastung in den Ballungsräumen entgegenwirken. Ebenso haben viele Betriebe die Energie- und Ressourceneffizienz an den eigenen Standorten verbessert. Auch die Schadensvorsorge gegen Boden- und Grundwasserverunreinigungen ist Teil einer nachhaltigen Betriebsführung.

Die Unternehmen erfahren dabei eine breite Unterstützung durch die Handwerksorganisation. Beratungs- und Qualifizierungsstellen sind dezentral in den Handwerkskammern, Fachverbänden und Kreishandwerkerschaften angesiedelt. Die Koordination und Ausrichtung dieser Unterstützungsangebote bis hin zur „Handwerksoffensive Energieeffizienz NRW“ läuft bei Handwerk.NRW zusammen.

Die Zusammenarbeit des NRW-Handwerks mit dem AAV reicht bis in dessen Anfangszeit zurück und war zunächst durch abfallwirtschaftliche Themen und die Vorsorge gegen neue Bodenbelastungen geprägt.

Bis Mitte der 1990er Jahre erhob das Handwerk – vertreten durch das Zentrum für Umwelt und Energie der Handwerkskammer Düsseldorf – im Auftrag des damaligen Abfallentsorgungs- und Altlastensanierungsverbands Nordrhein-Westfalen ein Abfallkataster des Handwerks in Nordrhein-Westfalen. Damals wurden das Abfallaufkommen der unterschiedlichen Handwerkszweige sowie die zugehörigen Entsorgungsstrukturen erstmals systematisch erfasst. Es folgten weitere Projekte wie 1995 eine exemplarische Machbarkeitsstudie zum Aufbau von „Entsorgungsringen für kleine und mittlere Wirtschaftsunternehmen im Kreis Aachen“ mit dem Ziel, die Abfallvermeidungs- und -verwertungsquoten von Klein- und Mittelbetrieben zu steigern. Bis ins Jahr 2003 stellte das Handwerk einen eigenen Vertreter für den AAV-Vorstand und die Delegiertenversammlung.

Auch nach der Neuausrichtung des AAV als Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung schätzte das Handwerk weiterhin die fachliche Kompetenz des Verbandes sowie seine wichtige Funktion bei der Sanierung und Wiedernutzbarmachung belasteter Flächen und herrenloser Altlasten. In diesem Sinne blieb das NRW-Handwerk ein wichtiger politischer Unterstützer, bis Handwerk.NRW im Oktober 2015 auch als freiwilliges Mitglied in den Verband eintrat.

Aus heutiger Sicht ist dem Handwerk gerade die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen ein zentrales Anliegen. Das Handwerk mit seinen überwiegend kleinbetrieblichen Strukturen ist auf eine räumliche Nähe zum Kunden angewiesen, wobei ein konfliktfreies Nebeneinander von Arbeit und Wohnen zunehmend schwieriger wird. Deshalb müssen vermehrt auch bestehende Betriebe nach neuen innerstädtischen Standorten suchen. Viele Handwerksgewerbe brauchen zudem eine gute Erreichbarkeit für die Auszubildenden und Beschäftigten sowie eine Anbindung an die kommunale Infrastruktur.

Insofern sind die Schaffung und der Erhalt von kleinteiligen Gewerbeflächen – gerade in den Ballungsräumen – von existenzieller Bedeutung. Handwerkliche Ansiedlungs- und Erweiterungsvorhaben treffen vielfach auf städtische Lagen, die von industrieller Vornutzung geprägt und häufig als Altlasten oder Altlastenverdachtsflächen eingestuft sind. Deren Wiedernutzbarmachung für die Ansiedlung von Gewerbe ist zugleich ein wirksames Mittel gegen die nach wie vor hohe Freiflächeninanspruchnahme.

Der AAV ist ein Akteur von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, Altstandorte und Flächenpotenziale zu erschließen, die derzeit aufgrund von Bodenbelastungen nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind. Daher unterstützte das Handwerk ausdrücklich die Weiterentwicklung des AAV zu seiner heutigen Ausprägung als Beratungs- und Kompetenzzentrum. Gerade auch die Umbenennung des Verbandes in „AAV - Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung“ steht für diese Erweiterung des verbandlichen Aufgabenspektrums.

Sowohl den heutigen Geschäftsführer Dr. Roland Arnz als auch den früheren Geschäftsführer Gerhard Kmoch haben wir als ausgewiesen kompetente, engagierte und stets aufgeschlossene Ansprechpartner schätzen gelernt. Dies gilt ebenso für viele einzelne AAV-Mitarbeiter, die hier nicht alle namentlich genannt werden können.

Wäre der AAV nicht bereits seit 3 Jahrzehnten aktiv, müsste man ihn heute neu erfinden. In diesem Sinne bedankt sich Handwerk.NRW beim AAV für dessen erfolgreiche Tätigkeit und sein offenes Ohr für handwerkliche Positionen. Wir gratulieren dem Verband zu seinem 30-jährigen Bestehen und freuen uns darauf, zukünftige Aufgaben rund um „Fläche und Boden“ in vertrauensvoller Zusammenarbeit anzugehen.

Josef Zipfel
Hauptgeschäftsführer Handwerk.NRW