Grußworte

Ursula Heinen-Esser

30 Jahre AAV – eine Erfolgsgeschichte

Seit vielen Jahren ist uns bewusst, wie stark Nordrhein-Westfalen immer noch durch die Schattenseiten seiner langen Industriegeschichte belastet ist. Zwar werden bereits seit Anfang der 1980er Jahre die Altablagerungen und Altstandorte systematisch erfasst, untersucht und bei Bedarf saniert. Doch man muss feststellen: Wir werden weiterhin große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Umwelt- und Gesundheitsgefahren in Boden und Grundwasser abzuwehren. Schon etwas länger steht ein wichtiger Punkt im Zentrum der Umweltpolitik: die Aufbereitung von bislang nicht genutzten, belasteten Brachflächen. Durch Flächenrecycling kann dem Verbrauch von landwirtschaftlicher Nutzfläche entgegengewirkt werden, indem der Bau von Wohnsiedlungen sowie die Erschließung von Gewerbeflächen auf aufbereitete Brachflächen gelenkt wird.

Dass es den AAV seit nunmehr 30 Jahren gibt, ist alles andere als eine Überraschung. Schon in den 1970er Jahren waren die Altlasten ein großes Thema in Nordrhein-Westfalen, und im Laufe der Jahre ist man immer mehr zu einer systematischen Bearbeitung der vielen altlastverdächtigen Flächen, die Vorbildcharakter hatte, übergegangen. Die systematische Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen ging später auch in das Bundesrecht ein.

Schon früh hat Nordrhein-Westfalen die Finanzierung der Altlastensanierung als Gemeinschaftsaufgabe von öffentlicher Hand und Wirtschaft verstanden. So wurde – zunächst mit dem Gesetz über die Gründung des Abfallentsorgungs- und Altlastensanierungsverbandes, später mit einer mehrmals fortgeschriebenen Kooperationsvereinbarung – die Grundlage für einen gemeinschaftlichen Fonds geschaffen; finanziert von Wirtschaft, Staat und Kommunen. Dieser Fond bildet die historische Basis für die Arbeit des im Jahr 1988 gegründeten AAV mit Sitz in Hattingen. Ein für Deutschland einmaliges Kooperationsmodell zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand ist damals entstanden.

Der AAV hat im Laufe der vergangenen 30 Jahre große Erfahrungen mit komplexen Projekten gesammelt. Es ist daher folgerichtig, dass das Aufgabenspektrum des AAV erweitert wurde. Zuerst ging es vor allem um die Gefahrenabwehr bei Altlasten, dann seit Mitte der 1990er Jahre um nutzungsbezogene Sanierungen im Sinne des Flächenrecyclings. Die Novelle des AAV-Gesetzes aus dem Jahre 2012 legte den Schwerpunkt sehr deutlich auf das Flächenrecycling. Die Regierungsparteien in NRW haben in ihrem Koalitionsvertrag 2017–2022 festgeschrieben, dass die Aufbereitung von industriell vorbelasteten Brachflächen durch Flächenrecycling eine der wichtigen Zukunftsaufgaben ist.

Ich möchte betonen, dass der AAV heute nicht nur ein Kompetenz-, sondern auch ein integriertes Beratungszentrum für das Land, die Kommunen und die Wirtschaft ist. Für seine vielfältigen Aufgaben benötigt der AAV eine sichere Finanzbasis. Der AAV verfügt über Landesmittel in Höhe von 7 Mio. Euro und über kommunale Mittel von 1 Mio. Euro pro Jahr. Zusätzlich stellt das Land dem AAV zur Finanzierung seiner Aufgaben in diesem Jahr Haushaltsmittel in Höhe von 1,5 Mio. Euro bereit.

Eine ganze Reihe nordrhein-westfälischer Wirtschaftsunternehmen trägt ebenfalls und verantwortungsbewusst zur Finanzierung des AAV bei. So sehr ich das freiwillige Engagement schätze, wünsche ich mir doch von weiteren Unternehmen eine finanzielle Beteiligung. Die Aufgaben des AAV sind gewaltig angesichts der Vielzahl von Altlasten im Lande und dem hohen Bedarf an reaktivierten Flächen.

In diesem Zusammenhang habe ich die große Hoffnung, dass wir einig sind in unserem starken Interesse an einer zukunftsfähigen Umweltpolitik. Moderner Umweltschutz ist längst keine Last mehr, sondern ökonomische Chance. Nachhaltiges Wirtschaften ist die entscheidende Voraussetzung für eine zukunftsfähige, profitable Ökonomie.

Der AAV ist die national und international anerkannte und erfolgreiche Institution der Altlastensanierung und des Flächenrecyclings unseres Landes, auf die wir stolz sein dürfen und die wir weiter stark machen werden. Die Erfolgsgeschichte des AAV muss sich fortsetzen im Sinne der Zukunftsfähigkeit unseres Landes: damit wir genug Bauland für bezahlbaren Wohnraum ebenso wie für Handwerk, Gewerbe und Industrie bereitstellen können.

Mein Dank gilt der Geschäftsführung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des AAV, den Mitgliedsunternehmen sowie allen Vertreterinnen und Vertretern der Organe und Gremien. Sie alle stehen für eine gute Kooperation und eine sehr gute Arbeit.

Viel Erfolg für die Zukunft!

Ursula Heinen-Esser
Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen